Wissenschaftliches Schreiben

An die Fähigkeit, wissenschaftlich zu arbeiten, werden besondere Anforderungen gestellt. Hier finden Sieeinige Hinweise, wie (Haus- und) Abschlussarbeiten nach wissenschaftlichen Kriterien gestaltet werden können:

 

Thema planen und abstimmen

Zu Beginn der Abschlussarbeit sollte man sich fragen, was man mit der Arbeit erreichen will. Eine konkrete Zielsetzung sollte schriftlich fixiert werden. Eine praxisbezogene Abschlussarbeit ist unter bewerbungsspezifischen Gesichtspunkten besonders zu empfehlen. Deshalb steht natürlich eine möglichst konkrete Absprache der Zielsetzung mit dem "auftraggebenden" Unternehmen an erster Stelle.

 

Für den Aufbau der Arbeit bieten sich verschiedene Strukturprinzipien an:

 

- Von der Theorie zur Praxis
- Von der historischen Darstellung zur aktuellen Betrachtung: Gestern - Heute - Morgen
- Vom Allgemeinen zum Speziellen    usw.

 

Hilfreich kann an dieser Stelle auch die Erstellung einer Mind-Map sein. Hier werden erst einmal alle Gedanken gesammelt und in eine Ordnung gebracht. Schon in einer frühen Phase ist es wichtig, sehr strukturiert vorzugehen.

 

Zum frühen Zeitpunkt fängt auch die Suche nach ersten Informationsquellen an. Es gilt, das Thema und die Literatur erst einmal ganzheitlich zu sichten. Ein zu spezifisches Lesen ist in einer so frühen Phase eher hinderlich. Vielmehr ist es wichtig, die Literatur möglichst umfassend zu erfassen und zu selektieren nach "brauchbar" oder "unbrauchbar". In der weiteren Literaturrecherche geht es darum, eine möglichst differenziertes Bild von der Themenstellung zu bekommen. Deshalb sollte so viel Literatur wie möglich gesichtet werden.

 

Die (erste) Gliederung

 

Die erste Gliederung gibt nicht nur dem Prüfer eine erste Übersicht über das Thema, sondern dient lange Zeit als ganz persönliche Handlungsanweisung. Die gesammelten Stichpunkte auf dem großen Blatt Papier sollten nach und nach in eine logische Reihenfolge gebracht werden. Die Kapitel und Unterkapitel werden erkennbar. Man gewinnt eine erste Idee, wie die Arbeit letztendlich aussehen könnte. Unwahrscheinlich ist, dass diese erste Entwurf der Gliederung der fertigen Arbeit entspricht. Dennoch sollte die erste Gliederung schon den groben "roten Faden" erkennen lassen.

 

Zu viele Gliederungsebenen können leicht verwirrend wirken, auch wenn sie logisch richtig sein mögen. Ich schlage höchstens 3 Gliederungsebenen vor. Tieferliegende Gliederungspunkte sollten zu einer gemeinsamen Überschrift zusammengefasst werden. In jeder Gliederungsebene müssen mindestens zwei gleichwertige Punkte stehen. Beispielsweise darf 2.3.1 nie alleine stehen, sondern der Punkt 2.3.2 muss folgen.

 

Der richtige Schreibstil

Achten Sie bitte darauf, wissenschaftlich korrekt zu schreiben. Das fängt bei Begrifflichkeiten und dem Sprachstil an. Manche Haus- oder Bachelorarbeiten geraten allzu essayhaft und mit vielen Formulierungen, die eher zur Alltagssprache gehören.

 

Vorsicht ist auch geboten bei sehr apodiktisch und absolut gehaltenen Formulierungen, wobei der Differenzierungsgrad der Aussage verloren geht. Beispiel: "Führungskräfte haben gelernt, wie man Mitarbeitergespräche führt..." Falls eine Führungskraft aufgezeigt werden kann, die das nicht gelernt hat, ist die These widerlegt (falsifiziert). Bitte formulieren Sie vorsichtiger mit Formulierungen wie: "besteht die Gefahr, dass..." "Tendenziell ist zu sagen..." "Eine Untersuchung von XY hat gezeigt, dass 34% der Führungskräfte..."

 

Sehr absolute Formulierungen sind - sofern keine empirischen Belege gegeben werden - wissenschaftlich bedenklich und meist zu undifferenziert.

 

Einzelaussagen, Thesen und Meinungen sollten nicht einfach aus einer Literaturquelle entlehnt und unreflektiert dargestellt werden. Meist ist es wichtig, ein komplettes Meinungsspektrum zu erfassen und differenziert darzustellen. Beispiel:

 

"Schulze ist der Meinung, dass... Dem widerspricht Mustermann aufgrund der von ihm erhobenen empirischen Ergebnisse. Eine dritte Meinung wird durch die Kölner Studien aus dem Jahr 2015 offenkundig. Dort wird dargestellt, dass..." (natürlich mit entsprechenden Literaturangaben)

 

In wissenschaftlichen Arbeiten genügt es nicht, einfach aus der Literatur "abzuschreiben". Der Eigenanteil der Arbeit besteht z.B. darin, ein möglichst differenziertes Meinungsbild zu erstellen. Dazu gehört es, zu einem Thema umfassend Literatur gesichtet zu haben und das Thema in der "Tiefe" zu erfassen. Oft reicht es nicht aus, einfach ein Modell (oder eine Theorie) aus der Literatur zu übernehmen, sondern Alternativmodelle vorzustellen oder das Modell zumindest einer kritischen Würdigung zu unterziehen. 

 

Beispiel für eine differenzierte Darstellungsform:

 

"Nach Neuberger kann der Interviewer im Vorstellungsgespräch zwischen einem Stressgespräch, einem direktiven Gespräch sowie einem mitarbeiterzentrierten Gespräch wählen, wobei Sabel im Kontext des Vorstellungsgespräches von einem bewerberzentrierten Gespräch spricht. Eine andere Einteilung nimmt Ernst vor, der..."

 

"Nach Brenner und Brenner sollten in Abhängigkeit von der jeweiligen Gesprächssituation und Intention des Interviewers geschlossene oder offene Fragen gezielt eingesetzt werden, wobei Knebel eine trichterförmige Durchführung von Vorstellungsgesprächen empfiehlt."

 

Bei Aussagen, die einen deklaratorischen Charakter besitzen oder eine quantitative Aussage beinhalten (Beispiel: "Die meisten Führungskräfte gehen Konfliktsituationen aus dem Weg oder investieren zu wenig Zeit, diese zu bewältigen.") erwartet der Leser eine (empirische) Quellenangabe. Hier: Stimmt es wirklich, dass dies für mehr als 50% der Führungskräfte ("die meisten...") gilt?

 

Vorsicht ist in inhaltlicher Sicht bei "populärwissenschaftlicher" Literatur geboten. Zahlreiche Managementbücher beispielsweise genügen nicht wissenschaftlichen Ansprüchen. Auch viele Internetquellen bieten nicht die gewünschte Seriosität. Studierenden der TH Köln wird geraten, sich nicht ausschließlich auf die hochschuleigene Bibliothek zu stützen, sondern die Möglichkeiten der Universität Köln und der Fernausleihe zu nutzen.

 

Beim Schreiben von wissenschaftlichen Arbeiten ist es elementar, klar, eindeutig und verständlich zu schreiben. Der Versuch, einen besonders wissenschaftlichen Schreibstil zu verwenden, gelingt häufig (Soziologendeutsch). Dazu noch einige Tipps: Kurze Sätze verwenden, zu häufige Nominalisierungen vermeiden. Sinnabschnitte sachlogisch einsetzen: Ein neuer Aspekt beginnt mit einem neuen Absatz.

 

Bei Zitaten oder Entnahmen aus der Literatur den oder die Autoren (häufig) im Fließtext angeben. Dann reicht eine Quellenangabe am Ende des Absatzes und der Quellenbezug ist eindeutig.

 

Man sollte inhaltlich nichts verwenden, was man selbst nicht verstanden hat oder nicht gutheißen kann. Oder Sie verwenden etwas, was sie anschließend kritisieren, reflektieren oder ergänzen.

 

Verwendung der Ich-Form: Ob die Ich-Form in wissenschaftlichen Arbeiten verwendet werden kann, darüber gibt es verschiedene Ansichten. Deshalb sollte dieser Punkt mit dem/der Lehrenden geklärt werden. Prof. Ernst ist der Meinung, dass die Ich-Form immer dann richtig ist, wenn tatsächlich die eigene Meinung widergegeben wird oder eigene gedankliche Leistungen kenntlich gemacht werden (was im Übrigen in einem gesunden Maße sehr wünschenswert ist).

 

Formulierungen wie „…ist bewiesen“ sind sehr vorsichtig zu handhaben, da viele Dinge eben nicht bewiesen sind, sondern lediglich ein Meinungsbild darstellen. Verwenden Sie keine umgangssprachlichen Ausdrücke, z.B. „selber“, „kann man sehen, dass es gut läuft“.

 

Agieren Sie wissenschaftlich differenziert: Schreiben Sie nicht "Der Recruiting-Prozess besteht aus fünf Phasen", sondern "Der Recruiting-Prozess besteht laut H. Teuscher aus fünf Phasen...". 

Eine Hausarbeit sollte in einem sachlichen Stil verfasst sein. Schön ist es, wenn Wortwiederholungen vermieden werden, allerdings nicht um jeden Preis.

 

Richtig zitieren

 

Das richtige Zitieren stellt mitunter eine schwierige Aufgabe dar. Immer wieder stellt sich die Frage, was zitierbedürftig ist. Zitiert werden müssen alle Aussagen, Zahlenangaben, Daten usw., die einer bestimmten Person (Statistik usw.) zugeordnet werden können. Allgemeingültige Tatsachen brauchen nicht zitiert zu werden. Jedes Zitat muss vom Leser/Prüfer nachprüfbar sein. Direkt oder indirekt übernommene Gedanken und Inhalte sind als solche kenntlich zu machen. Indirekte Zitate geben den Inhalt sinngemäß wieder.

 

Wenn ein Satz oder Wort wortwörtlich (d. h. wie es auch im Originaltext steht) übernommen wird, handelt es sich um ein direktes Zitat und wird in Anführungszeichen (" ") gesetzt. Diese Verwendung erfolgt nur, wenn der genaue Wortlaut oder der Begriff besonders wichtig ist. Diese Zitate müssen vollständig und originalgetreu übernommen werden.

Auslassungen von einem Wort oder mehreren Wörtern wird mit zwei bzw. drei Punkten (...) kenntlich gemacht. Wird ein Teil des Zitates an einer anderen Stelle eingefügt, so steht dieses in runden Klammern. Fügt der Autor etwas in das Zitat ein, so schreibt man es in eckige Klammern.

 

 

 

Wörtliches Zitat (1) mit Auslassung (2) und Einfügung (3)

  1. "Echte Fachkarrierekonzepte stecken immer noch in den Kinderschuhen." 1
  2. So betont Christian Ernst, dass "echte Fachkarrierekonzepte immer noch in den Kinderschuhen" stecken würden. 2
  3. "Echte Fachkarrierekonzepte stecken [in deutschen Unternehmen] immer noch in den Kinderschuhen." 3

 

 

Enthält das wörtliche Zitat seinerseits wörtliche Zitate Dritter, so steht dieses in halben Anführungszeichen (‚').

 

Sowohl direkte als auch indirekte Zitate müssen gekennzeichnet werden. Dies erfolgt entweder mit Hilfe von Fußnoten oder dem Kurzbeleg im Text selbst. Die Kennzeichnung im laufenden Text kann den Lesefluss unterbrechen, aber auch die Fußnoten lenken den Blick vom Text ab, da man doch interessiert ist, was unten im Fußnotentext noch steht. Zu bevorzugen sind also Fußnoten. Auf alle Fälle sollte die Kennzeichnung in der ganzen Arbeit einheitlich sein.

 

Bei direkten Zitaten steht die Fußnote direkt nach dem schließenden Anführungszeichen am Ende des Zitats, bei indirekten Zitaten am Satz- bzw. Absatzende, d. h. dort wo die sinngemäße Wiedergabe endet. Zahlen werden wie direkte Zitate behandelt, stehen aber nicht in Anführungszeichen (die Fußnote folgt direkt auf die Zahl).

 

Die Fußnoten werden vollständig durchnummeriert. Im Fußnotentext steht die Angabe der Quelle, aus der das verwendete Zitat stammt. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: (1) der Kurzbeleg und (2) der Vollbeleg. Der Kurzbeleg enthält lediglich folgende Angaben: Autor (Vor- und Nachname), Titel des Werkes, Erscheinungsjahr und Seitenangabe. Der Kurzbeleg wird häufig in umfangreichen Arbeiten pavorisiert, da einzelne Autoren eventuell öfter zitiert werden und eine vollständige Quellenangabe ständig zu Wiederholungen führen würde. Die vollständige Quellenangabe steht ohnehin im Literaturverzeichnis. Der Vollbeleg enthält alle Quellenangaben, so dass man sich ein Nachschauen im Literaturverzeichnis sparen könnte. Aus Platz- und Zeitgründen ist von dieser Methode eher abzuraten. Sie hat bei kürzeren Arbeiten ihren Sinn, wenn auf ein Literaturverzeichnis verzichtet werden kann. Um nicht die ganze Quellenangabe zu wiederholen, bietet sich die Abkürzung a.a.O. (am angegeben Ort) an. Ab der zweiten und jeder weiteren Angabe desselben Textes vom selben Autor auf der gleichen Seite schreibt man nicht mehr die ganze Quellenangabe, sondern verwendet a.a.O.

 

Der Fußnotentext indirekter Zitate kann man mit der Abkürzung "Vgl." (Vergleiche) beginnen, da es sich 'nur' um eine sinngemäße Wiedergabe des Inhaltes handelt. Folgen zwei (oder mehr) exakt gleiche Quellenangaben in den Fußnoten unmittelbar aufeinander, so findet die Abkürzung ebda. (ebenda) Verwendung. Es muss sich dabei um dasselbe Werk desselben Autors handeln; verschiedene Seitenzahlen müssen angegeben werden.

 

Kurzbeleg: Peter Stein et al.: Personalmanagement. 1996, S. 73

 

Vollbeleg: Peter Stein, Judith Koch, Peter Müller: Personalmanagement. Frankfurt/Main 1996, S.73

 

Ich empfehle grundsätzlich den Kurzbeleg in der oben verwendeten Form!

 

Fußnoten, die lediglich Autor und Jahreszahl enthalten, sind unpraktisch und mühsam für den Leser, da er ggf. im Literaturverzeichnis nachforschen muss, um welche Quelle es sich handelt.

 

Im Fußnotentext können - neben den Quellenangaben - auch zusätzliche Angaben und Informationen zum Thema gegeben werden, die im Text selbst zu detailliert wären oder störend wirken würden.

 

Fußnoten haben immer nur eine Kennzeichnung: z.B. ...deutlich beschrieben.8

Bitte nicht zwei Kennzeichnungen verwenden, auch wenn sich die Fußnote zwei oder mehr Literaturangaben enthält. Falsch: "...deutlich beschrieben.8 9

 

Vorsicht ist bei Internetquellen (Links) geboten, einschließlich "Wikipedia", da dort die Urheberschaft des Textes teilweise unbekannt ist. Internetquellen sollten einen seriösen Hintergrund haben. So wäre zum Beispiel das Bundesinstitut für Berufsbildung als Quelle durchaus unbedenklich, während die Peter Schulz Consulting GmbH (erfundener Name) eher eine unwissenschaftliche Quelle darstellen dürfte.

 

Machen Sie durch Sinnabschnitte und die Verwendung des Autorennamens deutlich, worauf sich die Quellenangabe bezieht. 

 

Falsch:

Geringfügig Beschäftigte haben ein zehnfach höheres Risiko, einen Niedriglohn zu beziehen als Beschäftigte in einem Normalarbeitsverhältnis.3 Für Menschen in atypischen Beschäftigungsverhältnissen sichert ein Job nicht mehr den Lebensunterhalt. Betroffene müssen daher sogar zwei oder mehrere Jobs ausüben. Andererseits bedeuten...

 

Richtig:

Schulze betont, dass Geringfügig Beschäftigte ein zehnfach höheres Risiko haben, einen Niedriglohn zu beziehen als Beschäftigte in einem Normalarbeitsverhältnis. Für Menschen in atypischen Beschäftigungsverhältnissen sichere ein Job nicht mehr den Lebensunterhalt. Viele Betroffene müssten daher, wie seine Studie ergab, häufig sogar zwei oder mehrere Jobs ausüben.3

Andererseits bedeuten...

 

 

Literaturverzeichnis

 

Im Literaturverzeichnis sind alle in der Arbeit verwendeten Texte, Bücher, Aufsätze, Gesetzestexte usw. aufzuführen, nicht mehr und nicht weniger. Die Reihenfolge ist nach den Nachnamen der Verfasser (bei mehreren Verfassern des ersten Verfassers) alphabetisch zu ordnen. Bei mehr als drei Verfassern erscheinen nur der Name des ersten und die Abkürzung 'u. a.' (und andere). Fehlende Angaben werden wie folgt kenntlich gemacht: Name des Autors/Verfassers unbekannt: o. V. (ohne Verfasser), ohne Jahresangabe: o. J. und ohne Ortsangabe o. O.

 

Bei Quellen aus dem Internet empfehle ich folgende Angaben: Verfasser, Titel, Datum, Web-Adresse / Link, Datum des Abrufs. Wichtig ist die Angabe des Datums, wann man die Information gefunden hat, da nicht alle Angebote auf ewig Bestand haben, jedoch überprüfbar sein sollten. Sollten die Links sehr lange sein, kann man Internetquellen auch durchnummerieren und die kompletten Links nur im Literaturverzeichnis angeben.

 

Typographie

 

Im Bereich der Typographie und der formalen Ordnung gilt es einige Punkte zu beachten. Die Gestaltung soll dem Dokument nicht nur ein "gutes Aussehen" verleihen, sondern sie entscheidet auch darüber, ob der Leser den Überblick behält und ermüdungsfrei die Arbeit lesen kann. Orientieren Sie sich bei der äußeren Form an den entsprechenden Empfehlungen der TH Köln. Fragen Sie ggf. im Prüfungsamt nach.